Über Twitter habe ich letzte Woche spontan verkündet, dass ich vor habe ein geekfeministisches Blog zu gründen, da mir mein eigenes Blog nicht mehr reicht und ich mich gerne auf dem Gebiet weiter entwickeln möchte. Seit einiger Zeit gibt es Geekfeminism.org und ich wünsche mir mehr deutschsprachige Blogs zu diesem Thema.
Hierzu suche ich derzeit Mitsteiter_innen die es sich vorstellen könnten, im Team oder als (ggf. anonym) Gastblogger_in mitzumachen. Außerdem nehme ich gerne zahlreichen Ideen für Namen, Hosting, Sponsoring, Inhalte, Design und und und entgegen. Ihr könnt euch daher gerne hier in Form von Kommentaren äußern, mir eine Mail schreiben oder euch auf die Mailingliste eintragen und euch dort mit Ideen vorstellen. Derzeit befinden sich inklusive mir bereits 16 interessierte Menschen auf der Liste. Da es mir aber darum geht, möglichst viele einzufangen die sich mit dem Thema auseinandersetzen, kommt bitte dazu und nennt mir am Besten möglichst konkret:
- was ihr euch inhaltlich vorstellt
- in welcher Art/warum ihr euch als Geek-Feminist_in versteht
- welche Form der Mitarbeit euch vorschwebt (ob ihr euch vorstellen könntet in einem Kernteam mitzumachen, ob ihr Gastbeiträge liefern wollt, erstmal zuschauen und später dazukommen, Ideengeber_in sein, optisch was (mit)gestalten oder oder oder…)
Meinen Beitrag dazu könnt ihr nach dem Registrieren auf der Liste im Archiv (https://netzguerilla.net/mailman/private/femgeeks/) nachlesen.
Ein Stapel IT-Zeitschriften liegt seit zwei Monaten im Fachschaftsraum meiner Hochschule. Großzügig gesponsort, unter anderem von der Linux New Media AG und vom FIfF und bisher leider eher vernachlässigt von der Fachschaft (inklusive mir), die erst seit dieser Woche wieder da ist. Heute hatte ich endlich Zeit durchzublättern, ein bisschen zu lesen und mir Gedanken zu machen, ob wir das ein oder andere Magazin nicht wirklich brauchen könnten. Kostenlose nerdige Sachen die auch noch toll sind, fühlte sich ein bisschen an wie Weihnachten.
Dabei kam mir unter anderem Android User in die Finger und da ich mich während meines Praxissemesters auch mit Android beschäftigt habe, warf ich einen Blick hinein. In der mittlerweile veralteten März-Ausgabe erwartete mich auf Seite 58 der Artikel “Apps für die Frau” von Ricarda Riechert. An dieser Stelle möchte ich lieber erst mal dieses Bild sprechen lassen:
Ich weiß ja nicht, was es euch so sagt, aber mir sagt es: “WTF?” gefolgt von “not my magazine”. Glücklickerweise (wie auch im Großformat – auf’s Bild klicken – anfangs zu lesen ist) scheint die Autorin auch nicht so ganz überzeugt von den Schubladen zu sein, die sie im Folgenden aufmacht. Dennoch wurden sie aber leider auch an dieser Stelle mal wieder aufgemacht, unnütz und fast schon widerlich wie üblich. Bei den vorgestellten Apps handelt es sich um Werkzeuge für die Schuhkollektion, zur Konfektionsgrößenumrechnung, zum Kalorien zählen, Zyklus tracken und Horoskop lesen. Eigentlich hätte ich beim ersten Überfliegen schon Bingo schreien sollen, aber eine fehlte noch: da war dann auch noch diese Einkaufslisten-App mit dem besonders bescheuerten Namen “Der Besorger”. Ach so, Frauen kaufen vor allem Schuhe, rechnen Kalorien, Konfektionsgrößen und Fruchtbarkeit aus, lesen Horoskope und haben auch noch einen Besorger dabei. Die App wird dann unüberraschend auch noch als perfektes Tool angepriesen um das Geld für die KASSIERERIN passend zu haben um die KUNDEN in der Kassenschlange nicht unnötig warten zu lassen. Hach, schöne Welt, fehlen nur noch die “besten Apps für echte Kerle”. Los geht’s auf Seite 64, lässt sich aber auch gut zusammenfassen: Sportschau, Bier, Fitness, Autos, Werkzeug und Bauen, Titten und Frauenfernbedienung. Bei letzterer hat der Autor Tim Schürmann immerhin den Sexismus erkannt, weist aber gleich für böse spaßbremsige frustrierte Emanzen wie mich drauf hin, dass wir uns doch eine Portion Humor und die Männerfernbedienung besorgen sollen.
Würde es eine Möglichkeit geben so einen stereotypen Dreck abzuschalten, glaubt mir, ich würde die App dazu sofort entwickeln.
Da war ich unerwartet krank zu Hause geblieben und heute, am zweiten Tag merke ich wieder, wie es mich nervt. Der ständige Drang zu schauen was so auf Twitter und Facebook passiert hat mich wieder. Es ist also für mich nicht damit getan, einfach zwei Wochen weg zu bleiben und zu erklären was so toll daran war.
Ich sauge Informationen auf und die blockieren alles andere, ich kriege nichts von dem erledigt was mir nicht wirklich total wichtig und dringend ist. Habe zwar ständig Ideen, inspiriert durch das Gesehene, aber das sind Ideen die niemals an die Oberfläche kommen. Sie werden verdrängt vom Geplapper über Alltagskram, Memes, schlimme Ereignisse und Shitstorms. Warum einen Artikel schreiben, wenn man für einen Tweet viel schneller und viel mehr Aufmerksamkeit bekommt. Warum selber denken, wenn man eine ganze Timeline voll Meinungen hat. Warum was malen, programmieren oder fotografieren, wenn das die Menschen in diesem Internet eh so viel besser können.
Längst fühle ich nicht mehr, wie mich die Informationsflut überfordert, so ging es mir am “Anfang”. Heute sehe ich nur noch an meinen Aktivitäten, was mein Problem ist: Tweet, Klick, Fav, Retweet, Like, Katzenvideo, Shitstorm, aufregen, lustiges Meme, Flausch, Sexismus, Tweet, Klick, Fav… und das nicht mal eben, sondern immer öfter, länger, dauernd. Auch gestern und heute wieder.
Nebenbei sage ich mir immer “das und das will ich iiiiirgendwann mal machen, aber das lohnt sich nicht anzufangen, heute nicht mehr”. Und stattdessen klicke ich mich dann durch 20 Soups und 3 Facebookgruppen und schwupp ist die Zeit (Sekunden, Minuten, Stunden, Tage) dahin. Ich halte die Ruhe nicht mehr aus und anstatt am Ende eines Tages Ruhe einkehren zu lassen, zu entspannen und eine Tasse Tee zu trinken, lese ich lieber meine Timeline auf meinem Smartphone.
Die Suche nach einer angenehmen Lösung gebe ich an dieser Stelle nicht auf, ich fange sie erst an und ich werde sie finden. :-)
Nächster Versuch:
Eine Liste mit diesen Dingen anlegen die ich “irgendwann” mal machen will/wollte (auch für Bücher, Serien, Musikrichtungen..).
Ausmisten der Bookmarks (Trash weg, Inspiration her).
Sinnvolle Zeiträume für Social Network Aktivitäten festlegen.
Ich bin bestimmt die 2.147.483.647ste Person (naja vielleicht nicht ganz, aber nicht die erste) die diesen Versuch gemacht hat, den ich im letzten Artikel beschrieb. Heute ist Samstag und ich bin bei Twitter online. Eigentlich wären die zwei Wochen erst morgen rum und man könnte mir jetzt unterstellen, dass ich nicht durchgehalten habe. Aber das habe ich, denn der Drang danach endlich bei Facebook oder Twitter reinzuschauen ist weg. Nur noch in ganz langweiligen Momenten denke ich daran, dass ich vielleicht dort noch was Unterhaltsames finden könnte.
Ständig hatte ich vorher diesen Drang nachzuschauen und ich hatte auch den Horror, dass ich in meiner Abwesenheit da sitze, mit zitternden Händen und denke “ich will ins Internet, ich will ins Internet”, aber nein.
Was passiert ist…
Meine zwei Wochen waren wie immer voller Termine, jedoch habe ich bereits nach zwei Tagen gemerkt, dass ich viel Energie und oft gute Laune habe. Keine Ahnung ob das was mit der Abstinenz zu tun hatte. Jedenfalls habe ich es geschafft viele dieser Dinge die ich sonst ewig vor mir herschiebe einfach sofort zu erledigen und letzten Samstag hatte ich dann plötzlich so ein Gefühl von “wow, ich habe alles erledigt was ich mir vorgenommen hatte”. Ein unheimliches Gefühl.
Bei der Arbeit habe ich viele Seiten in meinen Praktikumsbericht getippt und dabei LaTeX gelernt, mich stundenlang durch Programmierchallenges und Tutorials gelesen, endlich besser Java gelernt und war entzückt davon was ich mit diesem Android alles tolles machen kann. Nebenbei habe ich so ein Dokument fertig gestellt was ich seit September vor mir rumschiebe. Ich hab sogar schon Dinge für’s Studium angefangen, die ich erst mitte März abgeben muss und bin entschlossen die auch möglichst bald fertig zu kriegen um dann doch vor Semesterbeginn tatsächlich mal so was wie Freizeit zu haben. Nicht, dass ich ansonsten nur Däumchen gedreht hätte aber irgendwie ging das alles leichter und ich hatte oft so ein Flow-Gefühl, dass mir einfach alles gelingt wenn ich nur dran bleibe. Und ich konnte mir Dinge merken! Ich musste nicht siebzig mal in hundert verschiedenen Quellen nachlesen, sondern ich konnte mir Dinge einfach so merken. Gekrönt wurde es dann davon, dass ich mich frühzeitig um einen Job für nächstes Semester gekümmert habe und das dann aller Wahrscheinlichkeit nach auch klappen wird.
Da ich privat total überlastet bin mit Terminen (dank vielen interessanten Dingen an denen ich so arbeite) habe ich mir die Zeit (die sonst für Tweets draufging) genommen um Prioritäten zu setzen und ein bisschen herausgefunden was ich will und was ich gar nicht will. Ich gehe jetzt wieder mehrmals die Woche zum Sport (irgendwie krass wie ich mir einreden konnte, dass ich keine Zeit habe) und ich nehme mir die Zeit um meinen Körper gut zu ernähren und mehr selbst zu kochen. Heim zu kommen und nicht gleich an den Rechner zu sitzen hilft mir da ziemlich dabei. Außerdem habe ich festgestellt, dass es dann auch gar nicht mehr so schlimm ist einfach in Ruhe die Paprika zu schnibbeln ohne an zwanzig andere Dinge zu denken oder nebenbei Tweets zu lesen. Ich stelle mir auch nicht mehr die Frage, ob ich lieber die Nachrichten des Tages lesen will oder gleich zum Sport, denn nach dem Sport fühle ich mich gut und nach den Nachrichten oft leider nicht so. Ich habe ein paar Dinge gecancelt die ich ursprünglich unbedingt machen wollte. Nicht weil es mich plötzlich nicht mehr interessierte, sondern weil ich realistisch sein will und mir mehr Zeit wünsche.
Das Internet hab ich natürlich trotzdem genutzt für die Arbeit und abends. Lustigerweise habe ich sämtliche Dinge aus meinen Lesezeichen angeschaut und war positiv überrascht, was für schöne Dinge ich da gesammelt habe. Schöne Dinge die ich nach hinten geschoben hatte um sie “irgendwann” zu lesen. Vielleicht ist das ein guter Ansatz, “irgendwann” einfach öfter zu “jetzt” zu machen.
Nun zur Frage, wie ich nun weiter vorgehen werde wo mein Versuch vorbei ist. Ich werde wieder ein paar Tweets und andere Posts auf anderen Plattformen lesen, aber nicht mehr stundenlang. Und ich werde das Ganze hauptsächlich auf das Wochenende verlegen und unter der Woche möglichst nur wenige Minuten reinschauen. Ich nehme es in Kauf, dass dann Themen an mir vorbei gehen die mich interessiert hätten. Aber letztendlich muss ich ehrlich sagen, dass gerade das was ich häufig konsumiert habe ((Netz-)Politik, Feminismus und sowas) mich oft auch nervt und fertig macht und ich habe keinen Bock mehr drauf, dass mich was fertig macht. Ich möchte lieber mehr konkret an positiven Dingen arbeiten oder auch einfach mal gar nichts.
Der Artikel von Katrin, in dem sie erklärt warum sie die nächste Zeit ohne Twitter und Facebook verbringen wird, geistert mir seit Tagen durch den Kopf.
Ich verbringe verdammt viel Zeit im Internet und genau genommen betreibe ich das nicht erst seit gestern so extrem, sondern schon seit gut zehn Jahren. Zwischendurch haben sich Pausen eigentlich nur durch Urlaub oder extremen Stress ergeben, auch wenn ich immer mal wieder versucht habe das von mir aus zu reduzieren.
In letzter Zeit merke ich, wie mir das ein bisschen zu viel wird. Ich folge recht vielen Leuten bei Twitter und lese eigentlich rund um die Uhr immer mal wieder in meine Timeline. Klicke auf Links, lese Blogposts, Neuigkeiten, vefolge Memes und Shitstorms und rege mich das ein oder andere Mal auf. Manchmal bin ich auch erfreut und inspiriert, aber oft vergehen Stunden zwischen nach Hause kommen und mich mal um mich selbst kümmern (essen machen, Lebensmittel einkaufen, Körperpflege, Sport, Ruhe, Schlaf) und jedes Mal bin ich entsetzt, dass ich schon wieder so zum nächsten Termin hetzen muss, bzw. es wieder erst so spät ins Bett schaffe. Informationen rauschen so an mir vorbei und vor lauter tollen Sachen, die ich mir unbedingt irgendwann mal näher anschauen möchte, kann ich mich nicht mehr auf einzelne Dinge konzentrieren. Ab und zu ist es sogar so weit, dass ich eigentlich eine Serie schauen möchte und sogar noch nebenbei auf Twitter vorbeischaue. Und sollte dort einmal nichts los sein, dann schaue ich eben auf Facebook, Google+ oder in irgendelche Tumblrs und Soups.
Irgendwas hält mich immer sinnlos beschäftigt und jetzt ist so ein Moment gekommen, wo ich sagen muss: mir reicht’s, ich möchte, dass alles still ist und ich mich auf das konzentrieren kann was mir wichtig ist. Denn oftmals kann ich schon gar nicht mehr spüren was mir überhaupt wichtig ist. Ich schätze die Menschen denen ich folge und ihre Themen und Gedanken sehr, aber im Moment bringt mich das alles so weit weg von mir selbst und meinen Zielen.
Aus diesem Grund setze ich mir jetzt das Ziel, erst mal die kommenden zwei Wochen ohne den ganzen Kram auszukommen. Das Internet muss ich berufsbedingt natürlich weiterhin nutzen, jedoch möchte ich die oben genannten Sachen meiden, an denen ich mich jedes Mal so festbeisse. Ab morgen werde ich dann einfach nur noch per Mail erreichbar sein. Mal sehen ob das was bringt und ob ich das aushalte.
- a blog about women in computing, feminism, stereotypes and so much more.
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