Ich muss zugeben, ich habe ein Problem mit geschlechtsneutraler und geschlechtsspezifischer Form in der deutschen Sprache. Das Problem äußert sich vorallem dann, wenn ich geschäftlich an Personen schreiben muss oder Fachartikel oder beispielsweise einen Deutschaufsatz, oder oder oder…
Grundsätzlich bin ich etwas enttäuscht davon, dass es im Deutschen so oft heißt: “Frauen sind doch mitgemeint” (Generisches Maskulinum). Ich mag deshalb das Binnen-I sehr gerne, stoße aber auch da oft an Grenzen wo ich nicht weiß, wie ich jetzt formulieren soll, was ich eigentlich sagen will, über wenn ich spreche, wen ich anspreche. Erschwerend kommt hinzu, dass das Binnen-I in Deutschland gegen die Rechtschreibregeln verstößt und in meinem Bundesland sogar vom Kultusministerium “verboten” wurde.
Ich werde in Zukunft noch viel lesen, bis ich endlich eine für mich befriedigende Lösung gefunden habe. Ich werde auch noch viel schreiben, bis ich endlich selber einen durchgängigen Stil erreiche. Schon jetzt springen mir aber oft so richtige Aufreger ins Gesicht.
Letzte Woche habe ich mir bei der Arbeit mal ein paar Weiterbildungsangebote angeschaut die per Post kamen. In der Kursbeschreibung und im Titel eines Seminares wurden ausdrücklich “Sekretärinnen und Assistentinnen” angesprochen, während im nächsten Flyer “Ingenieure und Techniker” die Zielgruppe waren. Ich habe viel Verständnis für das Generische Maskulinum aus Gründen der Lesbarkeit oder ähnlichen Begründungen. Ich habe aber KEIN VERSTÄNDNIS für solche eindeutig klischeehaften, geschlechtsbezogenen “mal so, mal so” Formen. Den Seminaranbieter habe ich dann anonym und höflich darauf hingewiesen, dass es mich als Frau nicht gerade anspricht einen Kurs bei ihnen zu belegen. Zurück kam der Hinweis, dass sie zukünftig darauf achten werden und es sich ausschließlich um Entscheidungen aufgrund der Lesbarkeit handeln würde. Aha! Ich werde euch weiter beobachten, meinem kritischen Seitenblick entgeht ihr nicht. :)
Berichte von der Hannovermesse
Selber war ich nicht zu Besuch auf der Hannovermesse, da mir mehrere CeBIT-Besuche in Vergangenheit bewiesen haben, wie zermürbend so ein Tagestrip von meinem Zuhause nach Hannover mit ganztägigem Messebesuch sein kann. Stattdessen habe ich mir aber von einem Bekannten, der dort zwecks Arbeit unterwegs war, berichten lassen was ihn so beeindruckte.
Unter anderem berichtete er mir vom Stand der Firma Wittenstein (mechatronische Produkte/Antriebstechnik), auf welchem sich ausschließlich Vertriebsingenieurinnen zur Kundenberatung tummelten. Mein Bekannter selbst führte das auf den Einfluss der Juniorchefin Dr. Anna-Katharina Wittenstein zurück. Ich staunte nicht schlecht und begann schnell gedanklich abzuwägen zwischen geschicktem Marketing-Gag (Frauen auf Messeständen dienen ja gerne mal der Dekoration) und dem tatsächlichen Anliegen die weibliche Präsenz im Ingenieurberuf zu steigern. Daheim machte ich mich dann auf die Suche nach Informationen. Die Erklärung von Dr. Manfred Wittenstein in diesem Interview zeigt, dass es sich wohl um eine gezielte Mischung aus beidem handelt:
Wir brauchen die verschiedenen Denkweisen von Frauen und Männern. Ich bin zutiefst überzeugt, dass erst das Zusammenspiel von Männern und Frauen in der Technik uns zu neuen Lösungen führen wird.
Grundsätzlich eine sehr löbliche und vorbildliche Überzeugung, wobei ich persönlich sagen muss, dass mich diese strikte “Männer-Frauen-Denkweisen” Kategorisierung ab und zu ein bisschen anätzt. Dennoch ein positives Zeichen.
Mehr Interessantes zum Thema Ingenieurin
Kurze Zeit später machten sich auch andere daran sich mit der Ingenieurin auseinanderzusetzen. So brachte SWR2 eine Sendung mit dem Titel “Die Ingenieurin – das unbekannte Wesen“. Der Link führt direkt zum entsprechenden Podcast in der ARD Mediathek. Empfehlenswert und allemal nützlicher als sexistische Radiowerbung.
Einfach mal so:
Es verwirrt, wenn man plötzlich eine unheimlich dumme, sexistische Aussage zu hören bekommt, von Menschen von denen man das nie erwartet hätte.
Und ich sage mir so oft: er meints nicht so, er weiß es nicht besser, er macht nur Spaß, ich hab es falsch verstanden, ich sollte nicht alles auf die Goldwaage legen, ich bin enttäuscht.
So viele Sachen über die ich schreiben mag und so wenig Zeit! Gerade lauern noch 6 Entwürfe auf dem Dashboard und möchten fertig gedacht/geschrieben und hier veröffentlicht werden.
- a blog about women in computing, feminism, stereotypes and so much more.
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