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Die von mir vor Kurzem vorgestellte Ada Initiative macht gerade eine Umfrage um herauszufinden wie momentan die Beteiligung von Frauen an Open Technology and Culture Projekten aussieht.

Take the Ada Initiative Census

Vor einigen Jahren befand ich mich mitten in meiner Ausbildung und durfte in verschiedene Bereiche des Unternehmens reinschnuppern in Form von mehrwöchigen oder -monatigen Betriebseinsätzen. Damals hatte ich mir so ein richtiges Girlyleben geschaffen und meine Gedanken drehten sich oft um mein Äußeres, mein Gewicht, Klamotten, Party und Schminke.
Exakt diesen Klischees entsprechend genervt war ich dann, als ich einen Einsatz im technischen Außendienst machen musste. Im Laufe der Zeit hat es mir dann aber doch Spaß gemacht und ich habe die Zeit dort gut rumgebracht. Als dann der Tag kam, an dem ich meine Beurteilung abholen durfte, ahnte ich noch nicht, dass dieser Tag und die folgende Zeit darauf mein Leben und meine Einstellung verändern würden.

Saß also meinem “Chef” gegenüber, der mir den ausgefüllten Bewertungsbogen präsentierte, welcher eine äußerst mittelmäßig-sauschlechte Beurteilung enthielt. Er sagte zur Einleitung des Gesprächs fröhlich “von Frauen kann man eh nicht viel erwarten” und begründete schlecht bewertete Punkte mit meiner körperlichen Schwäche, meiner unpassenden Kleidung und seinen persönlichen Ansichten wie, dass ich ja als Frau allgemein nicht in der Lage sei z.B. Werkzeuge voneinander zu unterscheiden. Dazu sei vielleicht noch erwähnt, dass ich mit diesem Mann selbst die ganzen Wochen kein einziges Mal zusammen gearbeitet hatte. Die ganze Bewertung über war ich ganz still und habe meine Tränen runtergeschluckt, bis ich das Betriebsgelände verlassen hatte. Eigentlich habe ich es nur geschafft, die Beurteilung ohne meine Unterschrift in meiner Tasche verschwinden zu lassen. Es waren allerlei unangenehme Gespräche und einiges an Schriftkram notwendig um diese unfaire Bewertung wenigstens als ungültig erklären zu lassen. Zunächst war ich noch sehr optimistisch als mir sofort von Seiten der Gewerkschaft und Kolleg_innen Unterstützung zugesagt wurde. Der nächste Schlag ins Gesicht kam jedoch dann, als mein Ausbilder mir ebenfalls seine Unterstützung zusagte und sich aber dann hinter meinem Rücken mit diesem “Chef” darauf einigte, dass das doch alles ein riesengroßes Missverständnis gewesen sei (er kam mir dann mit einem: weißte ja…. Männer und Frauen..) und eigenmächtig beschloss das Thema sei von nun an erledigt, weil man(n) ja keinen Stress möchte (nachher nimmt der Betrieb keine Azubis mehr und es müssen neue Plätze gefunden werden).
Gerne hätte ich das ganze Thema damals unter “Einzelfall” abgehakt, jedoch erfuhr ich zur gleichen Zeit von einer ganz anderen Person, der im gleichen Unternehmen an einer anderen Stelle ebenfalls sehr erschütternde Dinge passierten. Es ging in diesem Fall um sexuelle Belästigung und weil es von der Person so gewünscht wurde (und ich das respektiere), hat das Unternehmen bis heute nichts davon erfahren.

Diese Vorfälle haben mich zunächst hellhörig und vorsichtig gemacht. Ich hatte all die Unterstützung von meinen Kolleginnen und Kollegen, von meiner Familie und Freunden und versuchte von da an auch selbst Unterstützung zu sein. Ich begann mich nach und nach über all die Dinge zu informieren, die mir meine Bücher über “Freche Powerfrauen” nicht verraten wollten. Fassungslos war ich auf der Suche nach Gründen und Ursachen. Es dauerte noch fast zwei Jahre, bis ich mich zum ersten Mal selbst als Feministin bezeichnete. Oft musste ich noch darüber nachdenken, wie sich das mit meinem selbsterschaffenen inneren Girly vereinbaren lässt dem doch Gleichberechtigung als Selbstverständlichkeit versprochen wurde. Das Girly, das Monate vorher noch geschimpft hat, als es mit Kolleg_innen eine Präsentation zum Thema Gender ausarbeiten musste. Das sich nur ein bisschen wunderte, als Gewerkschaftsmenschen es am 8. März im hintersten Büro aufsuchten um ihm eine Blume zu überreichen.

Heute ist mal wieder dieser 8. März.
This is what a feminist looks like.

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Oft schon habe ich mich gefragt, ob es nicht weniger stressig und frustrierend gewesen wäre, das Thema Geschlecht und Informatik(studium) nie so weit zu denken und stattdessen einfach alles so zu nehmen wie es kommt. Vermutlich würde ich dann bei sexistischen Witzen schmunzelnd in der Ecke sitzen und fröhlich, unbeschwert denken “hach, so sind sie halt”. Ich würde Frauen, die sich diesen Situationen entziehen indem sie lieber gleich anderen Interessen nachgehen betrachten, mit den Schultern zucken und denken “hach, so sind sie halt”.

Doch meine Ansichten haben sich zum Glück anders entwickelt (und sie entwickeln sich noch immer, mit jeder Erfahrung), auch wenn ich manchmal ganz froh wäre, weniger über soziale Probleme zu grübeln. Wann immer ich Menschen kennenlerne wird das jedoch auf die ein oder andere Art zum Thema. Die Frage “und wie bist du dazu gekommen DAS zu machen” verfolgt mich vom Kaffeekränzchen mit der Familie bis zum Small Talk in der Bar. Allen scheint klar zu sein, dass es unter derzeitigen Bedingungen kaum möglich ist, dass ich mich vollkommen ohne je gründlich darüber nachgedacht zu haben für mein Studienfach entschieden habe. Doch jedes Mal, wenn ich versuche eine angemessene Erklärung zu finden, fällt mir auf, dass ich mich eigentlich in diesen Momenten gar nicht erklären will. Was geht es die Bankangestellte an, warum ich mich schon immer für Computer interessiere, wenn ich doch nur mein Konto kündigen möchte und mein Studium als Begründung dafür angebe, warum mich Anlagemöglichkeiten derzeit nicht interessieren.

Dennoch ist es meine Chance etwas zu sagen und Stellvertreterin zu sein, für die die ihr berufliches Glück abseits von gesellschaftlichen Erwartungen finden. Nehme ich die Rolle der Stellvertreterin an, versuche ich jedoch verzweifelt Menschen die beispielsweise an männliche und weibliche Gehirne glauben erstmals in ihrem Leben etwas von Sozialisation zu erzählen. Natürlich meistens erfolglos, denn ich allein als Beispiel bin noch lange kein Beweis für irgendwas. Dennoch lässt mich die Stellvertreterin nicht in Ruhe. Oft hole ich sie aus der Schublade, wenn ich meine eigene Leistung bewerte oder diese mit Leistungen anderer vergleiche. Dann kommen die Zweifel und Gedanken wie “wenn ich schon die Einzige bin, wäre es schon schöner, wenn ich noch etwas besser abschneiden würde” und Befürchtungen wie “vermutlich werden sie nun meine Leistungen als Referenz für alle Frauen nehmen”. Da ich in der Lage bin solche spontan auftretenden Gedankenfetzen zu hinterfragen, gelingt es mir zwar meistens diesen Blödsinn schnellstmöglich wieder zu verwerfen, jedoch schaffe ich es nicht solche Gedanken für immer zu verbannen. Das Gefühl immer möglichst besser sein zu müssen ist ein ekelhaftes und raubt den Raum, der eigentlich für Stolz und Erfolgserlebnisse reserviert sein sollte.

Trotzdem werde ich ihr wohl noch öfter begegnen, dieser Stellvertreterin. Sie hat übrigens keine Schwächen, nur die guten “weiblichen Eigenschaften”, sieht nicht schlecht aus und macht das alles mit Links.

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Während im deutschsprachigen Raum bisher eigentlich nur über den Frauenanteil unter den Wikipedia Autor_innen gesprochen wurde, existieren darüber hinaus noch etliche andere Gebiete in Open Technology und Culture in denen Frauen (und allgemein Menschen die nicht dem Bild des typischen computersozialisierten Geeks entsprechen) bisher unterrepräsentiert sind. Vor einiger Zeit habe ich bereits das Ubuntu Women Projekt vorgestellt und eine Vielzahl ähnlicher Projekte kann den Links in meinem Blogroll entnommen werden. Nach und nach nehme ich mir die Zeit auch das ein oder andere dieser Projekte etwas näher zu betrachten, bin auf vielen Mailinglisten eingeschrieben und verfolge das Geschehen (leider noch immer sehr passiv).

Vor einigen Tagen/Wochen wurde ein völlig neues Projekt ins Leben gerufen. “The Ada Initiative”, welche sich weder als Ersatz, Konkurrenz oder Vereinigung anderer Projekte versteht, jedoch insgesamt ähnliche Ziele verfolgt und ähnliche Themen behandelt. Es geht dieser Initiative darum, die Teilnahme von Frauen an Open Technology und Culture Projekten zu erhöhen und entsprechend interessierte Frauen und Organisationen diesbezüglich umfangreich zu unterstützen. Mir gefällt dieser Ansatz bisher sehr gut, vor allem da die Gründer_innen zahlreiche, wichtige Erfahrungen aus anderen Organisationen und Projekten mitbringen.

The Ada Initiative

Es ist Dienstag, es ist Mittag und ich habe Hunger, weshalb es mich in die Mensa zieht. Als ich mich mit meinem Essen bis zum Tisch vor gekämpft habe ist es bereits brechend voll und ich esse und lausche einer Unterhaltung ein paar Stühle weiter. Zwei Studenten sitzen sich gegenüber und der eine versucht dem Anderen zu erklären, warum es nicht auf die Anzahl der Frauen in seinem Studiengang ankommt, sondern auf die Optik. Obwohl sein Gegenüber nicht wirklich darauf einzugehen scheint, geht er weiter ins Detail und versucht ihm eine Bewertungsskala näher zu bringen, die er wohl regelmäßig anwendet. Ich muss aufpassen, dass mir das Essen nicht hochkommt. In solchen Situationen würde ich mich immer ganz gerne in Gespräche einmischen, jedoch weiß ich auch, dass ich mit Menschen die solche Ansichten haben gar nicht erst anfangen möchte zu diskutieren.

Es ist Mittwoch und ich betrete einen Raum voller Informatikstudenten hinter Computerbildschirmen, die wie ich die Zeit bis zur nächsten Vorlesung totschlagen wollen. Da ich nicht wirklich etwas zu tun habe lausche ich einfach mal den Gesprächen. Fasziniert scheinen sie sich alle über ein gemeinsam gefundenes Thema zu unterhalten und als irgendwo der Satz fiel “worin sollte eine Frau wohl sonst einen Weltrekordversuch starten?” hätte ich meine Ohren doch besser sofort wieder zu gesperrt. Anschließend folgte nämlich eine besonders detaillierte Diskussion darüber, wie viele Männer eine Frau wohl innerhalb welcher Zeit oral befriedigen muss um einen neuen Rekord aufzustellen.

Heute ist Donnerstag und eine weitere Woche meines Studiums ist fast geschafft. Manchmal wünschte ich es wäre wirklich eine persönliche Entscheidung, dieses “darüber stehen oder darunter leiden”. Spiegel Online schreibt was über Frauenstudiengänge und ich möchte heute einfach nur sagen: Ja verdammt, das ist wirklich notwendig. Aber morgen werde ich natürlich wieder drüber stehen, weil ja eh alles nur witzig gemeint war und so.

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