Currently viewing the tag: "women in computing"

In unserer Gesellschaft spielt das Aussehen (leider) eine nicht zu unterschätzende Rolle. Vorallem Frauen verbringen oft sehr viel Zeit damit das eigene Erscheinungsbild zu optimieren, verschönern und im extremsten Fall Schönheitsidealen so nah wie möglich zu kommen. Kein Mensch möchte gerne als hässlich bezeichnet werden, doch während meiner Erfahrung nach Männer eher über solche Kommentare hinwegsehen, werden diese von Frauen oft sehr zu Herzen genommen und können das Ego sehr belasten. Dieser “Schwachpunkt” wird daher oft bewusst und unbewusst genutzt um auszugrenzen, Leistungen schlechtzureden und Personen ganz allgemein in Frage zu stellen.

Sicherlich fragt sich manch eine/r nun, wovon ich überhaupt rede, denn schließlich geht es hier um Frauen in der IT oder Technik. Hierzu möchte ich daher gerne ein Zitat anbringen, welches ich im Laufe der Zeit mehrfach von verschiedenen Männern in Naturwissenschaften und Technik gehört habe:

Klar, in meiner Ausbildung/meinem Studium gab es schon auch Frauen, aber die sahen eben auch nicht so aus wie Frauen!

Darauf folgt meistens ein Lachen und zustimmendes Nicken bei den ZuhörerInnen und eine Übelkeit in der Magengegend bei mir. Die erste Frage die ich mir daraufhin stelle ist: Wie sieht überhaupt eine Frau aus? Doch leider denke ich nicht, dass sich die meisten meiner Mitmenschen sich diese Frage überhaupt je gestellt haben. Denn die Antworten liefern uns Schönheitsideale und Negativbeispiele in Form von Klischees. In diesem Fall ist es das alte Klischee vom “Mannsweib”.

Unabhängig vom eigenen Aussehen muss man sich als Frau diesem Klischee früher oder später in irgendeiner Form stellen, wenn man mit Themen, Beschäftigungen oder Interessen zu tun hat die von der Gesellschaft als “männlich” angesehen werden. Dies reicht von der scherzhaften Bemerkung bis zu übelstem Mobbing.

Wo ist aber die tatsächliche Barriere?
Meine Ansicht nach wird bei der Leistungsbewertung von Frauen viel zu oft und grundlos der Punkt “Aussehen” mit ins Spiel gebracht. Nehmen wir mal an eine Frau ist verantwortlich für eine wichtige Erfindung oder wissenschaftliche Erkenntnis und gerät dadurch in die Öffentlichkeit. Neben Anerkennung und Kritik sind Aussagen wie “naja, aber dafür sieht sie halt scheiße aus” vorprogrammiert, sofern die Person nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Hat mit der Leistung selbst nichts zu tun, dient aber immer wieder super dazu diese schlecht zu reden. Ein Kriterium welches hingegen bei der Beurteilung der Leistun von männlichen Personen absolut keine Rolle spielt.

Man könnte jetzt annehmen, dass solche Vorfälle im Internetbereich durch “Anonymität” einfacher zu handhaben sind. Dummerweise begegnen einem da aber ähnliche Merkwürdigkeiten. Gibt man sich ganz offensichtlich als Frau zu erkennen, wird beispielsweise mit dem Kommentar “this post is useless without pictures” klargemacht, dass man sich als Frau noch lange nicht Frau nennen darf. Außerdem sinkt durch die Scheinanonymität auch die Hemmschwelle und so kommt es auch sehr viel eher zu einem beleidigenden Kommentar zum Aussehen.

Solche Tatsachen halten meiner Meinung nach selbstkritische Frauen davon ab, sich mit gewissen Themengebieten zu beschäftigen und mit sich anderen Personen auszutauschen. Vielleicht hindert es manche auch daran, mit eigenen Ideen in die Öffentlichkeit zu treten.

Habe mich die letzte Zeit sehr zurückgehalten, da ich mich ganz meinen Abschlussprüfungen gewidmet habe. Da die schriftlichen Sachen nun alle (hoffentlich erfolgreich) erledigt sind, möchte ich auch meinem Blog wieder etwas Leben einhauchen. Passen zu meinem kommenden Lebensabschnitt, schreibe ich heute ein paar Zeilen zur Wahl der passenden Hochschule und zum passenden Studienfach.

Nachdem ich mich entschieden hatte ein Studium zu beginnen, machte ich mich schon langsam auf die Suche nach dem passenden Fach und der passenden Hochschule. Dass es Informatik werden sollte war mir dabei vollkommen klar, nur welche “Art” von Informatik stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest. Während ich mit ein paar Menschen sprach und auch ein paar Hochschulen zur Beratung besuchte, erlebte ich auch ein paar weniger angenehme Situationen. Ich möchte jedoch weder konkrete Städte noch Hochschulen beim Namen nennen bei meinem Erfahrungsbericht.

Hochschule 1: Beratung is nich

Als Erstes machte ich mich auf den Weg zwei Hochschulen weit weg von meiner Heimat zu besuchen. Da es offizielle Beratungstage gab, ging ich einfach zu den Besuchszeiten hin. Die erste Hochschule war dank Semesterferien wie ausgestorben und nur ein nervöser Typ der einen Masterstudiengang aussuchen wollte, war vor mir an der Reihe. Eine erhoffte Beratung blieb leider eher aus, denn der Berater konnte mir außer den Fakten auf dem Flyer nichts zu den Studiengängen selbst sagen. Er hielt meine Entscheidung für sehr gefestigt und schickte mich recht schnell wieder weg.

Hochschule 2: Thema Sexuelle Belästigung

Einige Tage später machte ich mich auf zur nächsten Hochschule wo zahlreiche Personen bereits vor den Sprechzimmern warteten. Ich zog eine Nummer und wartete stolze zweieinhalb Stunden. Der Berater drückte mir ebenfalls einige Flyer in die Hand und stellte zunächst die Frage: “Arbeiten sie gerne mit Männern zusammen?” welche ich mit “ich arbeite gerne mit Menschen zusammen” beantwortete. Er nickte und drückte mir einen Flyer zum Thema sexuelle Belästigung in die Hand mit den Worten “die meisten Personen mit denen sie zu tun haben werden sind männlich”. Nicht gerade ein super Eindruck, aber ich ließ mich nicht abschrecken.

Hochschule 3: Mit sexistischen Grüßen

Die nächste Hochschule die ich besuchte war eher bei mir in der Nähe und ich nutzte diesmal einen Infotag für SchülerInnen. Dort hatte ich zum ersten Mal das komische Gefühl, wohl die einzige Person zu sein, die tatsächlich ungefähr einen Plan hat, was für die Wahl der Veranstaltungen jedoch sehr nützlich war. Nachdem ich eine Probevorlesung besucht hatte, wo der Frauenanteil noch ganz ordentlich war, folgte eine Laborführung. Zu meinem Entsetzen haben sich bei diesem Teil der Veranstaltung alle weiblichen Teilnehmer verabschiedet und so blieb ich leider als Einzige übrig. Irgendwie erschreckend, dass sich schon bei einer unverbindlichen Veranstaltung so ein krasses Bild abzeichnet. Zumal die restlichen männlichen Schüler, wie schon erwähnt, keineswegs davon überzeugt waren, auch wirklich Informatik studieren zu wollen. Die Führung selbst war überaus interessant und festigte mich in meiner Entscheidung für die passende Richtung: Technische Informatik soll es werden. Im Anschluss wurden dann einzelne Personen befragt und während sich das meistens nach den Lieblingsfächern in der Schule richtete, hatte man sich für mich eine ganz besondere Anrede ausgedacht. Frech wurde ich dann gefragt: “Und Sie Fräulein, möchten Sie auch Ingenieur werden?”. Als ich, die komische Anrede ignorierend, bejahte, wurde dann halt ein bisschen über die niedrige Frauenquote erzählt. Auch das hat mich jetzt nicht irgendwie gestört, denn es war ja trotzdem nicht unfreundlich und auch sicher nicht unfreundlich gemeint. Als ich jedoch ein ander Mal die Ehre hatte unabhängig von einem Infotag mit einem Prof der selben Hochschule zu reden, kommentierte dieser meinen Studienwunsch mit einem trockenen aber überzeugten “Frauen können doch gar nicht programmieren”. So viel also erstmal dazu.

Hochschule 4: Neutral aber ohne bleibenden Eindruck

Die Entscheidung blieb dennoch und mit ihr die Qual der Wahl. Also besuchte ich eine Probevorlesung in Mathematik für Informatik und fand auch die sehr interessant. Auch wenn diese vierte von mir besuchte Hochschule mir vom Gesamtbild (im Vergleich) eher weniger gefiel. Dort war ich froh, über den Geschlechteraspekt nichts hören zu müssen und wollte von nun an, noch lieber als zuvor, als neutrale Person beraten werden.

Hochschule 5: Wir werden es erleben

Daher habe ich die fünfte potenzielle Hochschule, für die ich mich letztendlich entschieden habe, ganz allein angesehen, mir selbst Flyer und Informationen organisiert und anschließend mit einem Absolventen über Inhalte, Abläufe und alles was mich sonst so interessierte gesprochen, damit ich mir diese Gender-Sache gar nicht erst anhören musste.

Fazit:

Insgesamt muss ich für 2 von 5 Hochschulen was die Genderthematik der Informatik betrifft ein eindeutiges FAIL vergeben. Alle anderen waren so neutral wie ich es mir gewünscht habe und wenn ich an die ewigen Meckerer bezüglich Frauenförderung oder Bevorzugung bei der Studienwahl denke, dann kann ich aus dieser Erfahrung sagen, dass sich Aktionen dieser Art ausschließlich auf den Girlsday beschränken und weibliche Interessenten wenn überhaupt anders, dann leider eher sexistisch behandelt werden.

Passend zum letzten Blogpost, hier mal eine Technikspielerei für Frauen die mir statt Entsetzen ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hat. Jeri Ellsworth ist großartig!

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=DPlBeWy8Xwo&hl=de&fs=1]

Vom 27. April bis 1. Mai fand die UbuntuOpenWeek statt, welche Anwender rund um die Linuxdistribution informiert. Neben zahlreichen Online-Workshops wurde am 29. April Ubuntu Women durch Elizabeth Krumbach vorgestellt. Leider hat es mir die Zeit nicht erlaubt, an der OpenWeek teilzunehmen, deshalb habe ich mir im Anschluss die MeetingLogs angeschaut. Der Beitrag des Women Projektes ist sehr informativ und man bekommt eine gute Vorstellung davon, was Ubuntu Women eigentlich ist und warum das Projekt so wichtig ist. Deshalb folgt an dieser Stelle eine kleine deutsche Zusammenfassung von mir.

Was ist Ubuntu Women?

Ubuntu Women wurde 2005 im IRC und den Foren ins Leben gerufen. Im anschließenden Jahr folgten Mailingliste und Website, sodass dem offiziellen Team nichts mehr im Wege stand. Anfänglich hatte man dabei Debian Women zum Vorbild, doch man merkte sehr schnell, dass das Hauptziel weibliche Entwickler zu gewinnen, wie es Debian zum Ziel hat, nicht ausreicht. Stattdessen möchte Ubuntu Women Frauen ermutigen Teil jeder einzelnen Facette von Ubuntu zu werden.

Dürfen nur Frauen “mitspielen”?

Es gibt keine Anforderungen was das Geschlecht angeht. jede Person die daran interessiert ist, dass Frauen bei Ubuntu mit einbezogen werden ist willkommen. Deshalb findet man auf den Mailinglisten, im Chat und in den Foren sowohl Frauen als auch Männer. Ubuntu Women bietet eine Plattform zur Diskussion. Abgrenzung würde dem Ziel, die Beteiligung von Frauen an der gesamten Ubuntu Community zu erhöhen, entgegenwirken.

Worauf sich Ubuntu Women deshalb konzentriert

1. Unterstützung und Ermutigung

So sehr man sich auch wünschen mag es sei nicht der Fall, es gibt dennoch Sexismus innerhalb der Ubuntu Community. Dieser äußert sich teilweise unauffällig, zum Beispiel durch die Anrede einer Personengruppe als “gentlemen”, teilweise jedoch auch durch völlig offensichtlich sexistische an Frauen adressierte Witze die sowohl von Frauen als auch von Männern als beleidigend empfunden werden können. Aus diesem Grund ist es hilfreich eine Diskussionsplattform zu haben um sich mit anderen Menschen auszutauschen und Fragen zu stellen. Zum Beispiel um zu erfahren, was andere über bestimmte Aussagen/Situationen denken, die für einen selbst unangenehm sind. Aber auch um sich darüber auszutauschen, ob es sich lohnt solche Vorfälle zu melden. Dieser Erfahrungsaustausch trägt dazu bei, dass Menschen (Frauen) auch an Projekten beteiligt bleiben, wenn Probleme entstehen sollten. Außerdem dient die Ubuntu Women Community dem Austausch von aktuellen Ereignissen die Frauen in F/OSS im Allgemeinen betreffen, wie Erfolgsgeschichten aus anderen Projekten.

2. Mentoring und Führung

Da die Beteiligung von Frauen im F/OSS Bereich allgemein sehr niedrig ist, ist Ubuntu oftmals das erste Projekt mit dem Frauen in Berührung kommen. Die erste Frage lautet oft “Wie kann ich Ubuntu helfen?”. Ubuntu Women beantwortet diese Frage, indem dort versucht wird passende Projekte und Kontakte (manchmal MentorInnen) zu vermitteln. Dass es Männern beim Einstieg ähnlich geht, ist Ubuntu Women durchaus bewusst, der Schwerpunkt des Projektes ist jedoch die Erhöhung der weiblichen Beteiligung.

(Allgemeine) Links für den Einstieg:
http://www.ubuntu.com/community/participate
https://wiki.ubuntu.com/ContributeToUbuntu
http://ubuntu-women.org/getinv.html

3. Aktive Frauen innerhalb der Community hervorheben

Für viele Menschen ist es hilfreich, wenn sie innerhalb des F/OSS Bereiches Menschen haben, mit denen sie sich identifizieren können, vielleicht auch Menschen des eigenen Geschlechts. Um auf Frauen aufmerksam zu machen hat Ubuntu Women eine Interview-Serie gestartet, welche im Full Circle Magazine erscheint:

http://wiki.ubuntu-women.org/Interviews
http://fullcirclemagazine.org/

Außerdem gibt es eine Profilseite im Wiki wo man Informationen über andere an Projekten beteiligte Frauen findet:

http://wiki.ubuntu-women.org/Profiles

Zusätzlich werden interessante Neuigkeiten über Frauen in spannenden Projekten, sowie andere beeindruckende Geschichten auf der Mailingliste gepostet.

4. Aufklärung über Sexismus und Feminismus

Wenn vielleicht auch eher unbeabsichtigt, wurde Ubuntu Women zu einer beliebten Diskussionsplattform was Feminismus (Gleichberechtigung) und Sexismus im Allgemeinen betrifft. Daher gibt es zu diesem Thema eine Wikiseite mit Links:

http://wiki.ubuntu-women.org/ChallengingSexism

Wer nun mehr erfahren möchte, ist sicherlich herzlich willkommen beim Ubuntu Women Projekt. Den kompletten MeetingLog im Original gibt es hier.

Da heute mein Interview mit der Mädchenmannschaft veröffentlich wurde, hatte ich sehr sehr viele BesucherInnen. Als ich soeben mal durchging, woher die sonst so kommen, fiel mir ein neues Blog auf. Ich weiß jetzt nicht genau, was ich davon halten soll.

http://ascii-terror.org/wordpress/ wurde wohl heute eingerichtet, mit gleichem Schwerpunkt und ähnlichem Wortlaut in der About-Seite. Falls das jetzt irgendwie vorwurfsvoll klingt: Liebe Betreiberin, ich freue mich, dass wir anscheinend die gleichen Interessen haben, den gleichen Job und im gleichen Alter sind und wir uns beide über elektronische Post freuen. Dennoch erschreckt es mich sehr dein Blog mit verschlafenen Augen zu entdecken und den Eindruck zu haben einen Klon von mir selbst entdeckt zu haben. Vielleicht magst du mir ja selber sagen, was es damit auf sich hat? :) Ich bin neugierig!

6. Mai: Oh und tatsächlich bekam ich Post und freu mich nun auf das neue Blog. :)

Getagged mit
 
Set your Twitter account name in your settings to use the TwitterBar Section.