Berichte von der Hannovermesse
Selber war ich nicht zu Besuch auf der Hannovermesse, da mir mehrere CeBIT-Besuche in Vergangenheit bewiesen haben, wie zermürbend so ein Tagestrip von meinem Zuhause nach Hannover mit ganztägigem Messebesuch sein kann. Stattdessen habe ich mir aber von einem Bekannten, der dort zwecks Arbeit unterwegs war, berichten lassen was ihn so beeindruckte.
Unter anderem berichtete er mir vom Stand der Firma Wittenstein (mechatronische Produkte/Antriebstechnik), auf welchem sich ausschließlich Vertriebsingenieurinnen zur Kundenberatung tummelten. Mein Bekannter selbst führte das auf den Einfluss der Juniorchefin Dr. Anna-Katharina Wittenstein zurück. Ich staunte nicht schlecht und begann schnell gedanklich abzuwägen zwischen geschicktem Marketing-Gag (Frauen auf Messeständen dienen ja gerne mal der Dekoration) und dem tatsächlichen Anliegen die weibliche Präsenz im Ingenieurberuf zu steigern. Daheim machte ich mich dann auf die Suche nach Informationen. Die Erklärung von Dr. Manfred Wittenstein in diesem Interview zeigt, dass es sich wohl um eine gezielte Mischung aus beidem handelt:
Wir brauchen die verschiedenen Denkweisen von Frauen und Männern. Ich bin zutiefst überzeugt, dass erst das Zusammenspiel von Männern und Frauen in der Technik uns zu neuen Lösungen führen wird.
Grundsätzlich eine sehr löbliche und vorbildliche Überzeugung, wobei ich persönlich sagen muss, dass mich diese strikte “Männer-Frauen-Denkweisen” Kategorisierung ab und zu ein bisschen anätzt. Dennoch ein positives Zeichen.
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Kurze Zeit später machten sich auch andere daran sich mit der Ingenieurin auseinanderzusetzen. So brachte SWR2 eine Sendung mit dem Titel “Die Ingenieurin – das unbekannte Wesen“. Der Link führt direkt zum entsprechenden Podcast in der ARD Mediathek. Empfehlenswert und allemal nützlicher als sexistische Radiowerbung.
Mit diesem Blogeintrag werde ich eine kleine Serie von Einträgen starten, welche ich den Barrieren widme, welche einem im Laufe der Zeit begegnen, wenn man sich als Frau in ein “frauenuntypisches” Umfeld einer “Männerdomäne” (in meinem Fall der IT-Bereich) begibt. Da ich mit meiner “Karriere” noch ganz am Anfang stehe, sind mir sicherlich noch nicht alle diese Barrieren persönlich begegnet, von einigen jedoch kann auch ich so einige traurige Lieder singen.
Die Idee zu dieser Serie wurde bei mir durch einen Blogeintrag von Paula Schramm entfacht, welcher eine dieser Barrieren sehr treffend beschreibt. Ich habe mich aus diesem Grund entschlossen, den Titel und auch die Aussage für meinen ersten Eintrag dieser Art zu übernehmen.
Paula schrieb:
Wie oft hast du schon gehört „Das kannst du nicht, du bist eine Frau“?
Schon bei diesem Satz saß ich nickend vor dem Bildschirm und konnte mindestens drei Schlüsselerlebnisse in meinem Gedächtnis abrufen, welche sich mir fest in mein Hirn eingebrannt hatten. Dabei geht es nicht um scherzhafte Sprüche von Menschen die “halt lustig” sein wollten, nein es gibt sie wirklich, Menschen die diesen Satz aus voller Überzeugung verwenden, eben weil sie die Aussage für absolut richtig halten. Und wenn mir nun jemand gerne entgegnen will, dass man auf solche Aussagen nichts geben sollte, dann muss ich hinzufügen, dass ich diesen Satz 1:1 auch schon von einem (ehemaligen) Vorgesetzten zu hören bekommen habe. Man kann sich also nicht immer aussuchen, mit welchen Menschen man sich umgibt und diese schlimmstenfalls meiden oder ignorieren. Auch die subtileren Geschwistersätze, die durch andere Formulierung den selben Inhalt vermitteln, begegnen einem tagtäglich in ihren hässlichsten Formen.
“Du-Kannsts-Nicht” als Barriere, als Summand hat einen entscheidenden negativen Einfluss: es schreckt ab, es bewegt Frauen dazu umzukehren und sich oft schon frühzeitig umzuorientieren oder berufliche Wege überhaupt nicht in Betracht zu ziehen. In einigen Diskussionen mit Männern habe ich zu hören bekommen “man darf sich eben von sowas nicht abschrecken lassen”. Es ist deshalb darauf hinzuweisen, dass es niemals eine einzige Aussage ist, welche Entscheidungen beeinflusst. Erst die Summe all der negativen Aussagen, deren Höhe sich einige Männer gar nicht bewusst sein können, führt zu entsprechenden Handlungen und Neigungen was berufliche und private Interessen angeht.
Da ich jedoch bewusst die Bezeichnung “Du-Kannsts-Nicht-Faktor” von Paula übernommen habe, möchte ich den positiven Effekt, den Faktoreffekt nicht einach unter den Tisch fallen lassen. “Du-Kannsts-Nicht” als Faktor hingegen verhält sich sehr mächtig und motivierend. Hat man bereits ein Ziel vor Augen und genügend Erfolge erzielt, die negative Aussagen in den Schatten stellen, kann eine weitere Aussage dieser Art ein “euch werde ich’s zeigen” Gefühl hervorrufen. Dieses Gefühl hat sich auch auf meine Leistungen oft positiv ausgewirkt und ist in Zeiten der Selbstzweifel oft meine einzige Stütze.
An dieser Stelle möchte ich mich auch (anonymerweise) bei Paula dafür bedanken, dass mir “Du-Kannsts-Nicht” als Faktor erstmals richtig bewusst wurde. Danke!
Wenn ich gerade schon bei eventuell interessanten Veranstaltungen bin, kann ich gleich mit einem Hinweis weitermachen der sich ebenfalls in meinem Email-Postfach fand.
Der Karrierevermittler “access” veranstaltet im kommenden Mai ein Event mit dem Namen “Women in Technology“, welches Kontakte zwischen Studentinnen/Absolventinnen und Arbeitgebern ermöglichen soll. Man kann von solchen “Rekrutierungsveranstaltungen” im Allgemeinen halten was man will, dass aktiv weiblicher Nachwuchs für die Technik gesucht wird, ist jedenfalls ein positives Zeichen.
Danke an Thomas für den Hinweis.
Mittlerweile kann ich es kaum erwarten dieses Blog mehr und mehr mit Leben, nützlichen und belanglosen Informationen und Gedankenfetzen zu füllen. Auch wenn andere Menschen darauf reagieren und mich auf passende Themen hinweisen, freue ich mich sehr. :)
So hat zum Beispiel Anna mich darauf hingewiesen, dass es an der Justus-Liebig Universität Gießen ein Frauenveranstaltungsverzeichnis gibt.
Auf Seite 4 findet sich hier unter anderem ein interessantes Angebot in Form eines Mentorinnen-Netzwerkes für Frauen in Naturwissenschaft und Technik.
Nachtrag: Das MentorinnenNetzwerk bezieht sich auf ganz Hessen und ist dort sehr bekannt (durfte ich im Cybermentor-Chat erfahren :)).
- a blog about women in computing, feminism, stereotypes and so much more.
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